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Indienreisen

Nächste geplante Reise nach Indien Februar 2020!!!

 


REISEBERICHT MAHA KUMBHA MELA 

 

Im März 2010 ergab sich für mich und meinen Mann Stefan kurzfristig die Gelegenheit, zur Kumbha Mela nach Haridwar in Indien zu reisen.

Hier ist ein Auszug aus dem Reisebericht:  

 

Wenn mich nach der Rückkehr von Indien jemand fragte, wie es war – fielen mir als erstes immer zwei Begriffe ein: „faszinierend“ und „crazy“ (verrrückt). Schmutz, Armut und Lärm, viel, viel Verkehr, mit der Hupe als einziges Verkehrsregelungsmittel, ans Auto geklappte Seitenspiegel, um so knapp und platzsparend im unvorstellbaren Verkehrsgetümmel am schnellst möglichen Weg weiter zu kommen, verbeulte Autos, wie sie bei uns nur am Schrottplatz zu finden sind, dies auf der einen Seite - die Faszination über die „Lebenskunst“ der Inder mit/aus „Nichts“ etwas zu machen, zu überleben auf der anderen Seite. Kuhfladen, die mit bloßen Händen mit dürrem Gras vermischt, geknetet und zu Laiben geformt und getrocknet werden, die als Brennstoff verkauft werden, ein Stuhl mit einer mit Draht befestigten Nackenstütze – unter einen Baum gestellt – an diesem ein kleiner Spiegel befestigt – und fertig ist der „Rasiersalon“ – ein anderer verdient sich mit Schuhe putzen oder noch verrückter mit „Ohren putzen“ ein paar Rupies fürs tägliche Brot.

 

Die vielen Inderinnen in ihren wunderschönen bunten Saris – Kinder, die zum Teil in adretten Schuluniformen durch die Straßen gingen, bis hin zu „Bettelkindern“ die dich am Arm zupfen und die Hand hinhalten – aber auch in ihren Augen sah ich keine Armut. Manche Inder schlafen einfach am Straßenrand ohne irgendwelche Behausungen und auch die Kühe, die mitten am Weg oder mitten in der Stadt stehen – sehr oft ihre Nahrung im Müll suchen – formen ein paradoxes Bild – wenn du jedoch tiefer schaust – viel tiefer, beginnst du die Energie – die Kraft – den Zauber dieses Landes wahrzunehmen. Haridwar ist eine Stadt mit ca. 200.000 Einwohnern - nur zu dieser Zeit hatte sie sich in ein riesengroßes Zeltlager verwandelt. Millionen Pilger und Tausende von Asketen hatten ihre Zelte dort aufgeschlagen. Viele von ihnen, die man auch als lebenslange Pilger bezeichnen könnte, da die meisten größtenteils umherwandern, um verschiedene heilige Plätze zu besuchen – nachdem sie Gelübde der Armut, Gehorsam und Keuschheit abgelegt haben. Asketismus ist ein Mittel zu Selbstreinigung. Dies wird in Indien und im Yoga „Tapas“ genannt.

 

Einer der indischen Sadhus (Weiser oder Heiliger), den wir besuchten – sagte: „Wenn du ein Stück Metall formen und in eine neue, andere Form bringen willst, brauchst du Hitze, viel Hitze (Tapas) um das Metall zuerst zu schmelzen – dann kannst du es in eine neue Form bringen.“ Wenn wir uns als gesamtes reinigen und transformieren (schlechte Gewohnheiten z. Bsp.) wollen – braucht es ebenso Tapas (Hitze), anders ist es nicht möglich. Auch ist Tapas die Übung schlechthin, um unsere Willenskraft zu stärken – die einzige Kraft, die all den anderen Kräften (Karma, Samskaras, Vasanas, Wünsche und Sehnsüchte, Gesellschaft, äußere Umstände usw.) die an uns ziehen – entgegenwirkt. Durch Askese versucht der Weise, den Grund für seine Leiden auszulöschen: Die Begierden, Abneigungen, Anhaftungen und Ängste ebenso wie die Identifikation mit dem Ego, unserem Ich-Bewusstsein. Während der Kumbha Mela hatten wir die außergewöhnliche Gelegenheit, unvorstellbar viele dieser Asketen zu sehen und uns in ihrer Nähe aufzuhalten, unter anderem auch zum Teil während der Ausübung ihrer Askese. Die berühmtesten unter ihnen sind die sogenannten Naga Babas, welche vom Tage ihrer Einweihung an aufhören, Kleider zu tragen. Diese Naga Babas verbringen die meiste Zeit in Höhlen im Himalaja oder auf Pilgerwegen von einem heiligen Tempel zum nächsten. Bereits am ersten Tag auf dem Kumbha Mela Gelände – da, wo die Zelte der verschiedenen Orden und Anhängern standen – besuchten wir zwei dieser Naga Babas in ihren Zelten. Einer von ihnen -  83 Jahre alt, einen Körper wie ein schlaksiger, gesunder Mittvierziger – komplett präsenter, klarer Blick, der dir unter die Haut geht – im Lotussitz – aufrechte, stolze Haltung - spricht nicht viel, hebt seine Hand zum Segen – du sitzt da – das beste, was man tun kann, ist, diese Präsenz zu erspüren, alle Ablenkungen, die man mit den Augen sieht, nur kurz an zu schauen und dann in eine innere Form der Wahrnehmung zu gehen – einfach nur zu „sein“.

 

Wir saßen immer wieder um verschiedenste Babas herum – in Zelten, Strohhütten, im Wald unter einem Baum oder einmal sogar auf der Terrasse eines Restaurants – sie erzählten vom Sinn des Lebens – den Geheimnissen und Gesetzmäßigkeiten des Universums – von Gott – sie sprachen von Hingabe – Gnade – von Guru – vom Loslassen und aus der Vedanta Lehre. Wir konnten Fragen stellen, die sie uns beantworteten. Ein Sannyasin (Entsagender, Bettelmönch), den wir im Wald besuchten – der dort schon viele, viele Jahre in einer armseligen Hütte wohnt – für unsere Verhältnisse ärmlich bekleidet – sitzt dort einfach nur vor seiner Hütte – am Feuer – du setzt dich zu ihm – kannst nicht fassen, dass es Menschen gibt die sich freiwillig entscheiden, so zu leben – Winter wie Sommer – du siehst in sein Gesicht – gezeichnet von der Witterung – sein mildes Lächeln – siehst in seine Augen, und alles, was du fühlen kannst, ist „Santosha“ (Frieden, Zufriedenheit). Du beginnst zu begreifen – innerlich zu erkennen – was dieses große Wort – eine der Stufen in Patanjalis Weg – „Santosha“ wirklich bedeutet.

 

Diese Reise war für mich eins der größten Geschenke in meinem Leben – ich bin Gott/Guru so unsagbar dankbar für diese Gnade. Mit dem festen Willen, dieses große Geschenk nicht zu vergeuden – nicht verpuffen zu lassen, sondern weiter am Weg zu bleiben, in der Hoffnung, anderen Menschen, meiner Familie, meinem Mann, meinen Kindern – im Alltag ein besserer Mensch, eine bessere Mutter und Frau, eine bessere Tochter und Schwester, Guru und meinen Lehrern Arjuna, Satyananda, Karin und Karina und allen Menschen, die mir Lehrer waren und sind, jeden Tag, eine bessere Schülerin, sowie den Menschen die zu mir zum Yoga kommen, eine bessere Lehrerin sein zu können -  bin ich zurückgekehrt, voll mit Energie, inspiriert von dieser Zeit, die mir oft fast wie ein Traum erscheint und hoffe allen Lesern ein wenig Inspiration zu sein sowie Mut zu machen, weiter am Weg zu bleiben, zu sagen: „Es lohnt sich“ – jede Anstrengung, jede Asana, jede Meditation, jedes Mantra, ganz egal was und vor allem die Hingabe und jeder Vertrauensvorschuss in Guru, ins Universum oder in Gott, lohnt sich – den er/es kommt tausendfach zurück!

 

Om shanti - Ingrid